Samstag, 7. November 2015

Thema Vorbilder: Dazu möchte ich meine Ur-Oma vorstellen

Meine Ur-Oma aus Eiselfing ist für mich DAS Vorbild bezüglich „Kraft“, „Mut“ und „Bescheidenheit“

Zu ihrem 93. Geburtstag letzte Woche habe ich mal wieder sehr lange mit ihr geredet.

Ich wollte wissen, wie ihr Leben war, als sie in meinem Alter war.

Meine Ur-Oma Maria Flori ist 1922 in einem kleinen Dorf Nähe Rosenheim, nämlich in Halfing geboren.
1922 waren in Halfing eigentlich nur ein paar Bauernhöfe und eine Kirche zu sehen.
Sie hatte noch 4 Geschwister, aber leider ist meine Ur-Oma die Einzigste die noch lebt. Sie ist noch total fit und wir sehen uns auch sehr oft und ich habe mich auch schon öfters mit ihr über das Thema unterhalten. Deshalb wollte ich einfach mal ihre Geschichte erzählen, weil es für mich total interessant ist wie man 1936 als 14-Jährige gelebt hat.
1928 wurde sie in die Volksschule eingeschult, in dieser Dorfschule waren immer 2 Jahrgänge zusammengefasst. Der Unterricht dauerte in der Regel von 08.00 bis ca. 16.00 mit einer Stunde Mittagspause. Zum Frühstück gab es ein Tasse Getreidekaffee und zum Mittagessen bekam sie ein Stück Brot mit. Erst zum Abendessen gab es etwas Warmes, in der Regel so etwas wie Brotsuppe oder Roggennudeln. Also Brotsuppe wurde mit Zwiebeln und heißen Wasser oder heißer Milch gemacht und Roggennudeln sind eine Art Dampfnudeln aus Roggenmehl, dazu gab es auch oft Pilze aus dem nahegelegenen Wald.
Nach der Schule mussten die Geschwister im elterlichen Bauernhof mitarbeiten.
Die Kleidung wurde immer selbstgemacht und sie hatte auch nur 2 Garnituren.
Die Volksschule hatte 7 Klassen und mit 13 Jahren kam sie dann aus der Schule. Die Lehrer durften nur mit Fräulein … oder Herr … angesprochen werden und ein Rohrstock wurde oft zur ,,Züchtigung“ der Schüler eingesetzt.
Nach Abschluss der Volksschule musste sie, wie jedes andere Mädchen in Halfing auch, als Magd auf einem größeren Bauernhof arbeiten. Dafür bekam sie in der Woche 2 Mark (1 Euro) sowie Unterkunft und Essen. Die Arbeit als Magd war sehr schwer. Jeden Tag um 03.00 Uhr in der Früh musste sie aufstehen um auf das Feld zu gehen und mit einer Sense beginnen zu mähen. Anschließend musste sie bei der Stallarbeit mithelfen und um ca. 07.00 Uhr gab es dann ein Frühstück. Das Frühstück war aber auch nur ein Getreidekaffee und etwas Brot. Bis Mittags war wieder Feldarbeit angesagt und am späterem Nachmittag wieder Stallarbeit. Dies Arbeiten waren immer von Montag bis Sonntag. Der Bauernhof auf dem meine Ur-Oma damals lebte und arbeitete, verdiente sein Geld mit dem Verkauf von jungen Kälbern.
 Nur zum Abendessen wurde auch der Radio mal eingeschaltet. Strom gab es damals in diesem Dorf aber noch nicht. Der Radio wurde von aufladbaren Batterien betrieben. Zum Aufladen der Batterien musste sie immer in das Elektrizitätswerk nach Wasserburg am Inn gehen, was ca. 1 Stunde dauerte. Hier wurde dann die Batterie aufgeladen. 


Vom 2. Weltkrieg bekam man in Halfing nicht viel mit, außer, dass alle Männer in die Armee abgezogen wurden. Nicht nur in Halfing waren dann nur noch Frauen und Kinder bzw. Jugendliche sondern in den meisten anderen Dörfen auch. Bei einem großem Luftangriff auf München sahen sie bis Halfing die Lichter des brennenden Münchens. Das war für sie einer der wenigen Kontakte zum Thema Krieg. Ihr Vater und auch ihr Bruder hatten aber den Krieg nicht überlebt, sie kamen nicht mehr zurück.
Das ist leider das einzige Kinderfoto mit meiner Ur-Oma und Familie
Da es in dieser Gegend noch keinen Strom gab, hatte man natürlich auch noch keine Kühlschränke. Deshalb gab es nur immer geräuchertes Fleisch zum Essen. Den ersten Kühlschrank hatte meine Ur-Oma dann auch erst Anfang der 50er Jahre.
Was auch interessant ist, dass sie erst mit 10 Jahren das erste mal ein Auto sah und dass wiederum war das Auto vom Dorfarzt.
Gleich nach dem Krieg lernte sie dann auch meinen Ur-Opa kennen und baute mit ihm einen eigenen Bauernhof auf. 

Meine Ur-Oma hatte also mit 13, 14, 15 Jahren ein sehr anstrengendes Leben. Ein Leben das ich mir so nicht wirklich vorstellen kann. Trotzdem ist sie ein extrem starker und positiver Mensch und daher auch ein ganz großes Vorbild für mich.



Eure Junior-Bloggerin Livia

Kommentare:

Gabi ♥ hat gesagt…

der bericht ist echt interessant! mich interessiert auch, wie die menschen früher gelebt haben, aber mit meinen großeltern habe ich nur wenig kontakt, deswegen konnte ich sie nie wirklich viel fragen und urgroßeltern habe ich keine mehr :)
liebe grüße,gabi :)

San Dra hat gesagt…

Gugug,
so toll, wie alt doch Menschen werden können, trotz ihres anstrengenden Lebens.
LG Sandra
blogsvonsandra.blogspot.com

Cleo Schreibwelt hat gesagt…

ich wünsche deiner Grossmutter noch alles Gute weiterhin. wirklich ein schöner Post
Kiss, cleo
www.creativschreibwelt.blogspot.ch

Junior-Bloggerin Livia hat gesagt…

Danke für die netten Kommentare, meine Ur-Oma ist echt ein sehr außergewöhnlicher Mensch und sich mit ihr zu Unterhalten ist immer total interessant.
Schönes Wochenende wünsch ich euch noch,
Eure Livia

Marlene hat gesagt…

Ein wirklich toller Post! Meine Omi wird nächste Woche 86. :)
Ich wünsche Dir ein wunderschönes Wochenende!
Liebe Grüße,
Marlene von marlene-bloggt.blogspot.com

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