Samstag, 22. Oktober 2016

JuLis vs. JBL - Mit Konstantin Kuhle über die Jugendthemen der Jungen Liberalen

Nachdem wirklich sehr sympathischen Interview, das ich mit dem Parteivorsitzenden der FDP Herrn Lindner machen durfte, habe ich mich gefragt welche Jugendthemen die FDP eigentlich hat und habe mir mal darüber meine Gedanken gemacht.
Die Jugendthemen der FDP werden durch die Jungen Liberalen kurz JuLis vertreten. Ich habe mir das Grundsatzprogramm der JuLis (Link) durchgelesen und den Vorsitzenden Konstantin Kuhle ein paar Fragen dazu gestellt. Ich finde es erstmal gut, dass jede Partei auch eine Jugendorganisation hat. Das Grundsatzprogramm der JuLis umfasst schwerpunktmäßig folgende Themen: Der Mensch, die Familie, die Gesellschaft, der Markt, der Staat, die Weltgemeinschaft, die Erde und Handeln für die Zukunft.


Die erste Frage an Konstantin Kuhle (Homepage) war erstmal, welche Jugendthemen für ihn am wichtigsten sind und welche Unterschiede es zu diesen Themen mit der FDP dabei gibt?
Konstantin: Schnelleres Internet, das Wahlrecht mit 16, die Zukunft des Rentensystems, die Weiterentwicklung der Europäischen Union, die Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, Datenschutz und Bürgerrechte, die Legalisierung weicher Drogen, Start-ups und Gründerkultur, Fanrechte, Bildung und Hochschulen... Wir JuLis beschäftigen uns mit vielen Themen, weil es kaum ein Thema gibt, das uns Junge nicht zumindest indirekt betrifft. Trotzdem versuchen wir natürlich vor allem Antworten auf jene Fragen zu geben, die junge Menschen besonders am Herzen liegen. Zum Beispiel: Warum sind so viele Schulen so schlecht ausgestattet? Kann ich mir im Studium eine Wohnung leisten? Wieso muss ich für seltsame Fernsehsendungen in ARD und ZDF bezahlen, obwohl ich sie mir gar nicht ansehe? Wie gehen Facebook und Co. mit meinen Daten um? Warum ist Kiffen noch verboten, aber Alkohol legal? Wieso legen mir Staat und Bürokraten so viele Steine in den Weg, wenn ich mich selbstständig machen will? Natürlich gibt es dabei auch mal unterschiedliche Meinungen bei FDP und JuLis. Das muss man – gerade auf Parteitagen – sportlich sehen: Mal gewinnt man, mal verliert man. Nur aufgeben sollte man nie. Letztlich sind die Gemeinsamkeiten aber größer als die Unterschiede.

Wie stehst du als Vorsitzender der Jungen Liberalen denn eigentlich im Kontakt zum Vorsitzenden der FDP Herrn Lindner und über welches Jugendthema hast du mit Herrn Lindner als letztes gesprochen?
Konstantin: Meistens sehen wir uns ein bis zwei Mal pro Monat am Rande von Veranstaltungen und sprechen dann kurz. Ab und an telefonieren wir auch mal. Aber das ist eher selten. Gesprochen haben wir zuletzt über die Flüchtlingspolitik. Das ist zwar kein klassisches jugendpolitisches Thema, betrifft aber letztlich doch viele junge Menschen. Wir haben uns darüber unterhalten, welche Vorschläge die FDP in dieser Frage machen kann und wie sie sich von anderen Parteien unterscheiden.
Die JuLis stehen auch für eine Reform des Wahlrechts und das ist auch eines meiner wichtigsten Anliegen. In Österreich ist das Wählen ab 16 Jahren ja schon ganz normal. Was denkst du, ist eine Reform des Wahlrechts hierzu bei uns in Deutschland umsetzbar?
Konstantin: Ja, das ist definitiv umsetzbar. Bei manchen Landtagswahlen ist das Wählen mit 16 ja schon heute möglich. Es ist allein eine Frage des politischen Willens. Wir JuLis treten schon seit langem für die Herabsetzung des Wahlalters auf 16 Jahre ein. In der FDP ist das immer mal wieder umstritten. In einigen Landesverbänden konnten wir uns durchsetzen, in anderen noch nicht. Aber das wird kommen. Schließlich ist es ein wichtiges Thema – gerade in einer immer älter werdenden Gesellschaft. Wir Jungen müssen eine gewichtigere Stimme bekommen. Allerdings müssen wir uns dafür auch bemerkbar machen und mehr Gehör verschaffen. Deswegen ist es wichtig, dass viele junge Menschen Mitglied bei einer Organisation wie den JuLis werden.

Politik für Jugendliche interessanter machen. Das ist auch auf meinem Blog ein wichtiges Thema, weil wir Jugendlichen ja mit den jetzigen Beschlüssen in unserer Zukunft leben müssen. (HIER der Post „Jugend vs. Politik“ zum nachlesen) Die JuLis haben dazu auch einen Vorschlag mit einem flächendeckenden Jugendparlament. Das fände ich auch ganz gut, wenn natürlich ein gewisser Einfluss in die aktuelle Politik vorhanden wäre. Aber ich finde, dass man durch das Wählen ab 16 Jahren schon mehr Interesse für die Politik erreichen könnte. Ganz einfach aus dem Grund, weil man dann als junger Wähler auch eine gewisse Verantwortung hat. Das hat mir auch mal die österreichische Schauspielerin Ronja Forcher (Der Bergdoktor) in einem Interview so bestätigt. Ronja Forcher dazu: „Ich gehe bei jeder Gelegenheit wählen, und ich finde es toll, dass man so jung schon wählen darf. Ich finde es sehr wichtig, die Möglichkeit, im eigenen Land politisch Einfluss zu nehmen, zu nützen! Das ist ein großes Privileg!“

Genau wie Ronja sagte sehe ich das auch. Ich glaube da werden wir Jugendlichen oftmals unterschätzt. Bin ich denn die einzige die das so sieht?
Konstantin: Nein, das sehe ich genauso. Ich glaube allerdings nicht, dass wir uns vom Wählen mit 16 irgendwelche Wunder versprechen sollten. Denn leider ist es immer wieder so, dass gerade wir Jungen nicht vom Stimmrecht gebrauch machen. Oft entscheiden dann die Älteren gegen unsere Interessen. Das beste Beispiel dafür ist wohl die Brexit-Entscheidung in Großbritannien. Wären mehr Junge zur Abstimmung gegangen, würde Großbritannien wohl in der Europäischen Union bleiben. Denn gerade die Jungen waren massiv gegen den Brexit, haben aber schlicht nicht mitgestimmt. Trotzdem ist das Wählen mit 16 eine gute Sache, die kommen sollte. Aber wir dürfen danach nicht stehen bleiben. Wir müssen immer weiter nach Wegen suchen, um mehr junge Menschen für Politik zu begeistern. Etwa durch mehr Podiumsdiskussionen an Schule, durch Rollenspiele im Politikunterricht, durch eine bessere Einbindung junger Menschen in Parteien und neue Mitmach-Angebote im Internet.

Das finde ich auch so, gerade in der Schule sollte das Fach Politik viel mehr behandelt werden. Aber auch die EU ist ein wichtiges Thema. Für uns Jugendliche ist die EU mehr Theorie. Klar man kennt die typischen Urlaubsländer aber wer ist die EU wirklich? Dazu habe ich im Grundsatzprogramm der JuLis folgendes gelesen.
Auszug Grundsatzprogramm JuLis: >> Internationale Märkte fördern den Frieden. Denn Bürger verschiedener Staaten, die miteinander handeln, haben ein Interesse an friedlichen Verhältnissen. Marktwirtschaft bewirkt also nicht nur mehr Wohlstand für mehr Menschen, sondern sichert auch Frieden. <>
>> Freiheit, Toleranz und Respekt vor dem Menschen sind zwar Werte, die in vielen Kulturen auch außerhalb Europas ihre Heimat haben. Der europäische Bundesstaat soll aber Fürsprecher und Förderer für all diejenigen Kräfte in der Welt sein, die in ihren Kulturen, Gesellschaften und Staaten jeweils den Weg zu Menschenrechten und Demokratie einschlagen wollen. <<
Ich finde es logisch zu sagen, dass die internationale Zusammenarbeit den Frieden fördert. Je mehr die Europäischen Länder voneinander profitieren und zusammenarbeiten umso weniger ist hier der Frieden gefährdet. Klar, weil jeder von dem anderem was braucht. Gerade Toleranz und Respekt in den Köpfen der Europäer untereinander ist ja nicht immer bei jedem gedanklich vertreten. Ich denke da nur an den Brexit und an die schlimmen Zustände an der Grenze Ungarns. Die Frage ist für mich, wie man unter uns jungen Europäern das Verständnis zueinander für die Zukunft fördern könnte? Dazu finde ich die Idee aus dem Europäischen Parlament mit dem kostenlosen Interrail-Ticket für alle jungen Europäer zum 18.Geburtstag ganz gut und überlegenswert. 
 
Oder wie siehst du diesen Vorschlag aus dem Europäischen Parlament?
Konstantin: Europäer müssen sich begegnen, da besteht kein Zweifel. Ich war in der neunten Klasse zum Schüleraustausch für zwei Wochen in Polen und später als Student für ein Semester in Frankreich – für das Verständnis von Europa hat mir das wirklich was gebracht. Schließlich hilft nichts so sehr gegen Vorurteile, wie der direkte und persönliche Kontakt. Ob man dafür allerdings gleich jedem ein kostenloses Zugticket schenken muss, weiß ich nicht. Klar, die Idee hört sich erst mal gut an. Doch ob man auf so einer Reise dann tatsächlich in einen intensiveren Kontakt mit anderen Europäern kommt und ihren Alltag kennenlernt, ist offen. Deshalb glaube ich, dass wir das Geld besser in Projekte stecken sollten, bei denen wir bereits wissen, dass sie einen nachhaltigen Effekt haben. Sinnvoll wäre zum Beispiel der Ausbau des ERASMUS-Austauschprogramms der EU. Damit hätten alle Studierenden und Auszubildenden die Chance, tatsächlich eine Zeit lang im Ausland zu leben.

Ja, das war viel zu lesen aber für mich ist es ein wichtiges Thema und darüber werde ich auch in Zukunft noch öfters schreiben. Danke an die FDP und den Vorsitzenden der JuLis Konstantin Kuhle für die vielen Infos und ausführlichen Antworten.
Dann bis zu meinen nächsten „Political Things“ JBL


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