Sonntag, 23. Oktober 2016

Livia fragt nach… beim Außenminister von Österreich – Sebastian Kurz

Es ist nicht einfach für eine jugendliche Bloggerin wie ich es bin, mit Politiker über meine politischen Jugendthemen zu sprechen. Aber jeder der meinen Blog kennt weiß, dass es nicht unmöglich ist. Es gibt tatsächlich auch nette Politiker mit viel Herz für unsere Jugendthemen. 
Deshalb war für mich auch klar, dass Herr Kurz der perfekte Gesprächspartner wäre, weil er als Außenminister Einblick in die europäische Politik hat und sich für die Belange von Jugendlichen einsetzt. 

Kurz & Bündig 
Zur Person Sebastian Kurz: Er ist seit 2009 Bundesobmann der Jungen ÖVP und seit 2013 auch Minister für Europa, Integration und Äußeres. Er wurde 1986 in Wien geboren und engagiert sich seit 2003 in der JVP. Sympathisch finde ich auch seine Homepage, welcher andere Politiker zeigt hier schon seine Playlist.

Wenn ich jetzt schon mal die Chance habe einem Außenminister Fragen zu stellen, dann sollten es auch Fragen sein die mir wichtig sind. Daher habe ich 5 Fragen zusammengestellt. Für mich sind besonders Jugendthemen aber auch die Themen Europa und Flüchtlinge wichtig. Aber meine erste Frage bezieht sich auf seine Partei. Denn was mir sehr gut gefällt, dass der Außenminister von Österreich Mitglied der JVP ist also einer Jugendpartei ist.
Sie sind ja seit 2009 Parteichef der JVP. Also einer Partei die sich sehr für die Interessen von Jugendlichen einsetzt. Mit welcher Partei wäre die JVP in Deutschland eigentlich zu vergleichen?
Herr Kurz: Die JVP ist eine politische Jugendorganisation und Teilorganisation der Österreichischen Volkspartei (ÖVP). In der deutschen Parteienlandschaft wäre die ÖVP am ehesten mit der CDU/CSU zu vergleichen. Diese hat wiederum auch eine Jugendorganisation – die Junge Union (JU).

Eines meiner politischen Lieblingsthemen ist vor allem das Wahlrecht ab 16 Jahren. Wie ist Ihre Meinung dazu und wo sehen Sie hier die Vorteile im Vergleich des deutschen Wahlrechts das ja leider erst ab 18 Jahren ist und wie groß ist bei ihnen in Österreich der Einfluss von Jugendlichen in der Politik?
Herr Kurz: 2007 war Österreich der erste Staat der Europäischen Union, der das Wahlrecht ab 16 eingeführt hat. Ich finde es wichtig, dass junge Menschen früh an politischen Entscheidungsprozessen teilnehmen. Die JVP ist hierbei auch maßgeblich mitverantwortlich, dass Jugendliche schon früh politische Verantwortung übernehmen. Aktuell stellt die JVP über 2000 Gemeinderäte, 6 Landtagsabgeordnete und zwei Nationalräte.

Gerade der traurige Vorfall in der Kölner Silvester Nacht waren für uns Mädchen schockierende Bilder. Deshalb war es für mich auch wichtig darüber etwas in meiner Kolumne zu schreiben was HIER zu lesen wäre. Was sollte man noch machen um uns Mädchen und Frauen besser vor Übergriffen zu schützen und wie gehen Sie in Österreich mit dem Thema um?
Herr Kurz: Die Vorfälle, die in der Silvesternacht in Köln passiert sind, sind äußerst schockierend und haben auch viele Menschen in Österreich beschäftigt. Die Gleichstellung von Männer und Frauen ist ein sehr wichtiger europäischer Wert. Aus meiner Sicht müssen wir Menschen aus anderen Kulturkreisen vermitteln, dass sie sich an unsere Spielregeln halten müssen. In Österreich haben wir verpflichtende Wertekurse eingeführt. Dort werden unseren Zuwanderern die grundlegendsten Werte für das Zusammenleben in Österreich vermittelt.

Aber natürlich ist klar, dass Menschen die aus ihrer Heimat vor Krieg und großem Elend flüchten müssen, am meisten leiden besonders die Kinder darunter. Aber was ich deshalb nicht verstehe, warum arbeiten hier nicht alle Europäischen Staaten einfach zusammen? Für mich sieht es so aus, dass vor allem Deutschland, Österreich und Griechenland irgendwie allein gelassen werden. Sie haben da natürlich mehr Einblick als ich, was meinen sie - stimmt dazu mein Eindruck?
Herr Kurz: Momentan lastet ein Großteil der Verantwortung der Flüchtlingskrise auf wenigen Staaten. Österreich und Deutschland sind davon ganz besonders betroffen. Meine Wunschvorstellung ist ebenfalls eine europäische Lösung! Leider gibt es in der Europäischen Union im Moment Staaten, die daran nicht interessiert sind.
Ich würde mir wünschen, dass die EU-Staaten bei der Flüchtlingskrise gemeinsam an einem Strang ziehen. Das heißt: Eine Sicherung der EU-Außengrenzen und offene Grenzen zwischen den EU-Staaten und eine Verteilung der Flüchtlinge nach einem europaweiten Schlüssel. Wichtig ist es noch zu betonen, dass wir auf nationale Lösungen setzen müssen, solange eine europäische nicht möglich ist.
 
Zum Thema Europa habe ich eine interessante Nachricht aus dem Europäischen Parlament gelesen. Jeder junge EU-Bürger soll zum 18. Geburtstag ein Interrail-Ticket geschenkt bekommen. Die Idee darin ist, bei Jugendlichen für das geeinte Europa zu werben und die europäische Identitätsbildung zu fördern. Wie ist ihre Meinung als Außenminister zu diesem Europäischen Vorschlag?
Herr Kurz: Grundsätzlich finde ich die Idee sehr gut. Die Frage der Finanzierung muss jedoch noch geklärt werden. Junge Menschen bekommen so die Möglichkeit, Europa zu sehen und in der Folge auch einen besseren Zugang zu Europa und der EU. Man darf dabei nicht darauf vergessen, dass sich viele junge Menschen in Europa mit anderen Problemen konfrontiert sehen. In vielen Ländern ist die hohe Jugendarbeitslosigkeit ein großes Problem und daher sehen viele Jugendliche keine Perspektive im eigenen Land.



Das Interview mit dem Außenminister von Österreich Herrn Kurz ist für mich sehr wichtig. Es zeigt, dass wir Jugendliche und unsere PoliticalThings auch ernst genommen werden. Ich finde es auch total gut, dass eine Jugendpartei so viel an Einfluss in einem Land haben kann. Deshalb möchte ich mich nochmal bei Herrn Kurz und seiner Partei bedanken, für den Einblick gerade auch in der jetzigen Zeit.




Kommentare:

Many W.P. Soundtrack-Of-Life hat gesagt…

Hervorragender Artikel - Gut gefragt - Großes Kino - Respekt

Heiko Wruck hat gesagt…

Ja, ein ausgezeichneter Artikel. Besonders gut gefällt mir, dass er von einer Jugendlichen verfasst wurde. Respekt. Das gibt mir Hoffnung, dass es auch künftig noch Menschen in Europa gibt, die alsd ordentliche, anständige Journalisten unsere Gesellschaft im Auge behalten.

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