Samstag, 3. Dezember 2016

Livia´s Political Things - Mit der CSU Bundestagsabgeordneten Katrin Albsteiger über Jugendthemen in der Politik und das Comeback der Spicegirls

Für meine Rubrik „Political Things“ hab ich mich mal mit der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Jungen Union Katrin Albsteiger (CSU) über meine politischen Themen unterhalten. 
Obwohl es momentan in der Berliner-Politik sehr viele wichtige Themen zu besprechen gibt, hat sich Frau Albsteiger für mich Zeit genommen und sehr ausführlich meine Fragen beantwortet, was sie für mich noch viel sympathischer macht.
Für mich ist das auch ein Hinweis, dass unsere Jugendthemen auch einen sehr hohen Stellenwert haben.


Als erstes war für mich interessant zu wissen, wieviel Spaß es ihr macht und wie wichtig es ist als Bundestagsabgeordnete in Berlin die Jugendthemen im Bundestag zu vertreten?  
Übrigens das Selfie zeigt Katrin Albsteiger direkt vor dem Bundestag.
Katrin Albsteiger: Finde ich schon sehr wichtig – im Bundestag ist der Altersdurchschnitt bei über 50 Jahren  -  im ganzen Parlament gibt es derzeit ganze sechs Abgeordnete unter 30. Das ist einerseits okay, weil auch irgendwie Lebenserfahrung dazugehört, aber so ein Parlament sollte auch die Gesamtbevölkerung repräsentieren, da fehlen dann schon noch einige Jüngere. Ich versuche, das dadurch auszugleichen, indem ich unsere Interessen dann ein bisschen lauter zu vertreten versuche, wofür man dann nicht von allen immer Applaus kriegt.  Spaß macht es aber auch dann.

Es gibt ja viele Jugendthemen in der Politik und deshalb erst einmal eine allgemeine Frage über die Jugendthemen innerhalb der CSU. Was ist für sie und der Jungen Union das wichtigste Jugendthema in Deutschland und warum?
Katrin Albsteiger: Kurz- bis mittelfristig sind es die Bildungs- und Ausbildungssituation: Wir wollen die digitale Bildung endgültig in den Schulen etablieren. Für jeden Jugendlichen ist der Umgang mit digitalen Medien eine Selbstverständlichkeit, daher braucht auch jede Schule ein digitales Klassenzimmer. Für jeden Jugendlichen stellt sich die Frage nach der Berufswahl. Ob man nun studiert oder eine Ausbildung beginnt, darf keinen Unterschied machen. Keiner dieser beiden Wege ist besser oder schlechter. Wir fördern daher weiter die Universitäten und stärken die berufliche Ausbildung.
Mittel- bis langfristig ist es die Frage, wie wir mit der Situation umgehen, dass in unserem Land immer weniger junge Menschen leben und die Gesellschaft im Durchschnitt immer älter wird. Vieles in unserem Land ist nach dem Generationenvertrag organisiert: Die Jüngeren arbeiten und finanzieren den Älteren z.B. die Rente. Wenn aber immer weniger Junge auf immer mehr Ältere kommen, funktioniert das nicht mehr so ohne weiteres – da muss man sich was einfallen lassen. Zusammengefasst geht es hier um die „Generationengerechtigkeit“, die besagt, dass keine Altersgruppe zu einseitig belastet wird. Dazu gehört übrigens auch, dass es aufhören muss, dass wir alles auf Schulden finanzieren, womit der Bundestag beim Bundeshaushalt inzwischen zum Glück aufgehört hat – Stichwort „Schwarze Null“, die für die junge Generation ein absoluter Erfolg ist. Aber: Noch immer machen einige Bundesländer, Städte und Gemeinden fleißig Schulden und zahlen müssen das irgendwann die, die heute jung sind – das ist ungerecht und das muss sich ändern!

Digitalisierung in der Schule ist auch für mich ein längst überfälliges Thema. Wie ich auch schon mal in einem Post geschrieben habe, bin ich auch nicht wirklich zufrieden mit der bayrischen Schulreform oder eher mit dem Schulsystem das wir in Deutschland haben. Weil ich es besser fände, wenn es halt in ganz Deutschland einheitlich wäre, gerade auch hinsichtlich Europa. Ich weiß, dass es eigentlich Ländersache ist aber warum sind sich bei diesem Thema die Länder nicht einig, es ist doch für alle Jugendlichen gerechter, wenn jeder Schüler die gleiche Bildung bekommt?
Katrin Albsteiger: Es gibt durchaus gute Argumente für den Bildungsföderalismus, beispielsweise dass zwischen den Ländern ein Wettbewerb stattfindet und sich durch Wettbewerb Innovation entfalten kann und damit Verbesserungen stattfinden. Angenommen man ist dennoch der Meinung, wir sollten jetzt auf ein bundeseinheitliches System umschwenken bleibt: Jedes Land hat seine eigene Schultradition und seine eigene Lehrerausbildung. Es ist einfach sehr schwierig alles umzustürzen, zu vereinheitlichen und zu glauben, wir könnten dann das hohe bayerische Bildungsniveau halten. Ich möchte hier jedenfalls keinen Qualitätsrückschritt. Weil ich aber der Meinung bin, dass am Ende der Schulzeit jedes Kind in Deutschland selbstverständlich gleich gut ausgebildet sein sollte und, dass wir den Wechsel zwischen Bundesländern erleichtern müssen, setze ich mich dafür ein, dass die Lehrinhalte und Kompetenzniveaus in den einzelnen Jahrgangsstufen angeglichen werden. So können sich die Länder, die noch hinter Bayern liegen, Schritt für Schritt auf den Weg nach vorne machen. Um dies zu koordinieren, ist die Kultusministerkonferenz genau das richtige Gremium  - und hier wurde bereits viel erreicht. Einheitliche Bildungsstandards beispielsweise in Mathe, Deutsch und Englisch/Französisch gibt es schon. Andere Fächer müssen folgen. Wir arbeiten an gemeinsamen Aufgabenpools ab 2017. Außerdem haben bereits sechs Bundesländer gemeinsame Abiturprüfungsaufgaben. Hier sollten alle Länder mitmachen. Und natürlich sollte dies auch für die anderen Schultypen gelten. Es geht also nicht um Systemfragen, sondern um Inhalte, auf die wir uns konzentrieren sollten.

Eines meiner Lieblingsthemen ist das Wählen ab 16 Jahren. In Österreich ist das seit einigen Jahren ganz normal und wie mir kürzlich der österreichische Außenminister Herr Kurz von der JVP gesagt hat, wurde das auch sehr gut angenommen. Warum haben wir in Deutschland noch nicht das Wahlrecht ab 16 Jahren?
Katrin Albsteiger: Theoretisch kann natürlich jeder auch „aus dem Bauch raus wählen“, aber für die Demokratie ist es trotzdem nötig, dass man sich auch ein paar Gedanken zur Politik machen sollte. Voraussetzung dafür ist ein gewisses Maß an Erfahrung – das wird niemand bestreiten. So wie man andere Altersgrenzen für notwendig hält (z.B. Geschäftsfähigkeit, Strafmündigkeit, Auto fahren, Schulpflicht, Möglichkeit, einer Partei beizutreten…) sollte man auch das Wahlrecht an ein bestimmtes Alter knüpfen. Nun wird jeder von uns irgendwen kennen, den man mit 16 schon als reif genug einschätzt, auch wählen gehen zu können. Mir fallen vereinzelt auch schon 14-jährige ein, denen ich persönlich das zutraue 😄 😄 😄. Aber bei Altersgrenzen muss man eben eine Lösung finden, die für alle Menschen in einem Land irgendwie passt, ähnlich einem Kompromiss. Ich persönlich finde die Altersgrenze für das Wahlrecht mit 18 Jahren deshalb für eine sinnvolle Lösung bzw. Kompromiss, vor allem weil dies damit an die Volljährigkeit geknüpft ist. Wählen gehen ist eben nicht nur ein Recht sich an der Demokratie zu beteiligen, sondern auch eine zentrale Bürgerpflicht. Mit 18 kann man die Erfüllung dieser Pflicht von jedem Bürger erwarten und die Wähler können auch die Verantwortung dafür übernehmen. An positive Auswirkungen auf die Wahlbeteiligung bei Absenkung des Wahlalters glaube ich übrigens eher weniger. Ehrlich gesagt glaube ich sogar, dass es sich die Politiker, die das Wahlrecht ab 16 fordern, wirklich zu einfach machen. Wir sollten uns erstmal darum kümmern, dass sich alle Erstwähler ab 18 ausreichend informiert fühlen, um eine Wahlentscheidung treffen zu können und dann tatsächlich auch wählen gehen. Wenn wir hier erfolgreich sind, dann bin ich gerne bereit auch über eine Absenkung des Wahlalters nachzudenken.

Kennen sie eigentlich die Idee aus dem Europäischen Parlament, jedem europäischem Bürger zum 18.Geburtstag ein Interrail-Ticket zu schenken? Ich finde es gut, dass überlegt wird, wie man Europa für Jugendliche näher bringen kann. Wie ist ihre persönliche Meinung dazu?
Katrin Albsteiger: Ich kenne diesen Einfall, denn er stammt von meinem Freund und Parteikollegen Manfred Weber. Das ist eine schöne Idee, weil sie betont, dass Europa mehr ist als nur ein möglichst effizienter Wirtschaftsraum oder ein Verwaltungskonstrukt. Dass wir gemeinsam in diesem Kontinent wohnen, dass wir Nachbarn sind, dass Europa jede Menge freundliche Menschen und schöne Regionen hat, das gehört alles dazu. Wenn so ein Ticket dann auch sinnvoll finanziert wird, dann sollten wir das machen. Die Eindrücke, die die Menschen im Rahmen europäischer Reisen machen können, sind unbezahlbar und stärken unser europäisches Miteinander.

Übrigens ich war ja auch in der Jury zum Jugendwort des Jahres („Fly sein"), wie finden sie unsere Wahl?
Katrin Albsteiger: Das ist ja witzig, habe mir daraufhin die Jury mal näher angesehen und bin überrascht, wie viele verschiedene Leute mit unterschiedlichen Hintergründen da dabei sind - viele Schüler, ein Polizist, Sprachwissenschaftler – interessant. Ich muss „leider“ feststellen, dass mir viele „Jugendwörter“ nichts mehr sagen, aber mit 33 bin ich wohl auch nicht mehr Zielgruppe. Moment – „isso“ verwende ich selber. Die Jugendwortsammlung birgt aber oft auch einige Pointen  - „Bambusleitung“ ist ja schon ziemlich witzig. Meine Tochter wird bald ein Jahr und spricht noch nicht so deutlich – irgendwann habe ich aber dann auch sicher wieder mehr mit „Jugendsprache“ zu tun 😄.

Wie ich gelesen habe sind sie leider die einzigste Frau im Bundesvorstand der Jungen Union. Daher auch meine nächste Frage. Auf meinem Blog ist Girlpower ein großes Thema. Gerade was ich auf ihrer Homepage gelesen habe, dass sie in ihrer Partei gegen die Frauenquote waren, finde ich total super. Es geht ja nicht darum ob man ein Mädchen ist, sondern ob man was drauf hat oder nicht. Das ist für mich Girlpower. Wer ist für sie "ihr" Powergirl und was ist für sie Girlpower?
Katrin Albsteiger: Kennt noch wer die „Spicegirls“? An die muss ich immer denken, wenn ich „Girlpower“ lese. Das ist natürlich alles ein bisschen auf Entertainment gemacht gewesen, aber so schlecht fand ich das damals gar nicht. „Girlpower“ aus politischer Sicht bedeutet: Wenn wir von so genannter „Gleichberechtigung“ reden, dann werden Frauen oft in der „Opferrolle“ dargestellt und darum müsse man sie gesondert unterstützen. Dieser Absatz gefällt mir nicht. Das Konzept „Girlpower“ bricht mit der Opferrolle, denn es sagt „Wir sind stark genug für die Welt“. Das finde ich wesentlich passender.

Die Spicegirls kenne ich, weil sie aktuell unter den Namen GEM also Geri Halliwell, Emma Bunton und Mel B, einen neuen Song “Song for Her” aufgenommen haben und den finde ich auch total cool. Wie gefällt ihnen der neue „Spicegirls“-Song?
Katrin Albsteiger: Ich habe mir das Comeback-Lied angehört. Dass die Mädels in kleiner Besetzung wieder starten, wusste ich noch gar nicht. Das Lied geht ins Ohr, stellenweise klingt es bisschen wie so ein Lied, das man als WM- oder EM-Lied im Fußball nehmen würde. Nicht schlecht - mal sehen, ob das was wird 😄

Ich hatte aber auch mal das Glück 2 Boxweltmeisterinnen zu dem Thema "Girlpower" interviewen zu dürfen. Nämlich Christina Hammer und die Kickboxweltmeisterin Marie Lang hab ich sogar mal in Training besuchen dürfen. Kennen sie die beiden und was halten sie von den 2 Sportlerinnen?
Katrin Albsteiger: Ja, Sport ist ein guter Punkt. Das gibt es auch keine Quoten, da muss jeder zeigen, was er/sie kann und hart an sich arbeiten. Da gibt es jede Menge sehr guter Vorbilder. Leider kenne ich die beiden  nicht persönlich  und kenne mich im Boxen auch gar nicht aus, allerdings habe ich mal die Klitschkos getroffen – immerhin. Ich habe mir aber Deine Interviews mit Ihnen angesehen und finde – Hut ab.


Ich finde es sehr interessant, dass man sich im Deutschen Bundestag auch über das Jugendwort seine Gedanken macht und wie wichtig das Thema „Girlpower“ dann wirklich auch ist. Meine PoliticalThings“ Reihe ist mir sehr wichtig und auch wenn ich erst 14 bin, ich glaube dass es viele Jugendliche auch in meinem Alter gibt die sich mit diesen Themen beschäftigen.
Danke nochmal an Frau Albsteiger für das ausführliche Interview und ich hoffe, dass ich wieder ein bisschen positive Werbung für meine politischen Jugendthemen machen konnte. 😄


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