Freitag, 12. Mai 2017

Gastartikel: Klein und trotzdem Selbstbewusst

Gerade die Körpergröße ist für mich ein Thema, da ich oft die Kleinste bin. Das ist nicht immer einfach. Gerade deshalb war es mir wichtig, dass mir die erfolgreiche Fotografin und Bloggerin Christine Polz ihre eigenen Erfahrungen dazu schreibt. 
In ihrem Blog → Christine Polz Photography veröffentlicht sie ihre Fotos.
In ihrem Gastartikel zeigt sie, dass die Körpergröße nichts mit Erfolg oder Selbstbewusstsein zu tun hat.  

Deshalb freue ich mich Christines Beitrag dazu zeigen zu dürfen:  

Meine Name ist Christine und ich bin klein.
Ganze 1,58m klein.
Was manchen Außenstehenden erst einmal innehalten und darüber nachdenken lässt, ob man mit dieser Größe ohne Probleme Autofahren kann (ja, das kann man und ja, das wurde ich wirklich schon gefragt), hat mich eigentlich nie sonderlich beschäftigt. Ja, 1,58m ist nicht sonderlich groß und meine Schwester bezeichnet mich daher auch lieber als ihre ältere - anstatt als größere - Schwester, aber davon abgesehen war das selten etwas, worüber ich nachgedacht habe.

Klar, es ist manchmal etwas unpraktisch klein zu sein. Die oberen Fächer meines Kleiderschrankes erreiche ich nicht ohne die Hilfe eines Stuhls (und aus Faulheit habe ich in der Vergangenheit auch schon mal die Dummheit besessen einen Drehstuhl dafür zu verwenden) und ich würde mir auch oftmals wünschen die Kleidungsindustrie würde endlich kapieren, dass Menschen, die Größe XS tragen, weder Bedarf an meterlangen Ärmeln noch viel Oberweite haben, jedoch kann ich mich tatsächlich nicht daran erinnern, dass mich jemals jemand blöd auf meine geringe Körpergröße angesprochen hätte oder dabei gar verletzend geworden wäre.

 


"Weil ich verstanden habe, 
dass man manchmal selbst sein größter Feind ist. 
Und der oftmals wenig damit zu tun hat, 
wie man auf andere wirkt, 
aber viel damit wie man glaubt auf andere zu wirken."








Von harmlosen Neckereien abgesehen - und ich kann auch ganz gut austeilen - wird mir höchstens ein anderer Platz angeboten, wenn sich mal wieder - wie magnetisch von mir angezogen - der größte Mensch im Kinosaal vor mich setzt.

Es gäbe für mich also eigentlich keinen Grund sonderlich viel über meine Größe nachzudenken.

Wenn, tja wenn sich zu meiner Körpergröße nicht auch noch ein entscheidender Faktor hinzu gesellen würde: ich bin klein - was mir eigentlich ziemlich egal ist - und ich sehe jünger aus; was mir nicht ganz so gleichgültig ist.
Vor allem nicht, wenn man auch jenseits der 20 noch für minderjährig gehalten wird.
Und insbesondere dann nicht, wenn man Frau, jung und selbstständig ist.

Das genetische Erbe meines Papas wird mir in ein paar Jahren sehr gelegen kommen, hat es mir aber gerade in der Anfangszeit meiner Selbstständigkeit recht schwer gemacht. Zu einer Zeit, frisch aus der Schule ins Leben geworfen, in der ich sowieso völlig verunsichert war, brannte sich ein: „Sie sehen noch sehr jung aus.“, einfach so bei einem wichtigen Meeting dahin gesagt, für Jahre in mein Gedächtnis ein. Jemanden, den ich an Wichtigkeit eher überschätzte, als dass diese der Wahrheit entsprach, prägte mein Denken und Selbstwertgefühl für die nächsten Jahre. Ich war davon überzeugt, dass man mich so wie ich aussah - und so kindisch wie ich mich wohl für alle anderen offensichtlich verhielt - gar nicht erst ernst nehmen konnte.

Fortan war ich, sobald ich einen Raum betrat, der festen Überzeugung man würde mir meine Jugend - aka Unerfahrenheit - nicht nur schon von weitem ansehen, sondern sie auch mit mangelnder Professionalität und Inkompetenz gleichsetzen. Was zwar manchmal auch der Tatsache entsprach, jedoch bei weitem nicht so oft der Fall war wie es sich danach anfühlte.

Es begannen Jahre mehr schlecht als recht überspielter Unsicherheit. Zwar fragte man mich nun nicht mehr unbedingt an der Kinokasse nach meinem Ausweis, aber das hing zum Teil auch extrem von der Art meiner Begleitung ab. Tauchte ich irgendwo gemeinsam mit meinen Eltern auf, wurde ich grundsätzlich wesentlich jünger geschätzt und geduzt. Als wäre das Erscheinen mit meiner Familie ein Zeugnis meiner Unreife und ein Freifahrtsschein dafür, mich weniger respektvoll behandeln zu können.
Dieses „Du“ wurde mir eh ein Dorn im Auge (oder besser gesagt: im Ohr…). Nicht gerade einfach in einer Branche, in der man sowieso gleich von Anfang an und auch wesentlich älteren Leuten gegenüber, per Du ist. Außerhalb dieses Kosmos an Kreativen bedeutete das Du für mich aber einen gewissen Grad an mangelndem Respekt; zumindest aber fehlendes Ernstnehmen meiner Person/meines Problems/Anliegens.

Die Jahre vergingen. Ich scheiterte an Mitarbeitern eines gewissen Telefonanbieters und an Kunden, die versuchten mich auszunutzen und tatsächlich glaubten mein jugendliches Aussehen könne auch Auswirkungen auf ihre Vorstellung von einer fairen Bezahlung haben.

Die Zeit verstrich. Mal klappte das mit dem Selbstbewusstsein schlechter, mal besser. Meistens jedoch eher schlechter.

Bis ich eines Tages und ohne großes Ereignis begriff, dass Mitarbeiter von Telefonanbietern jeden so behandeln und man sich auch als Erwachsener manchmal durchaus wie ein 14jähriger, ungeschickter und unwissender Teenager fühlen kann. Und darf. Dass solche Situationen immer mal wieder geschehen können und werden und es allen so geht. Nicht nur mir, mit meiner vermeintlich nachteiligen Größe und dem ständig jünger geschätzt werden.
Diese Erkenntnis war kein plötzliches Erwachen, sondern viel mehr ein Prozess. Aber sie schaffte es viele Gegebenheiten, in denen ich mir mal wieder selten doof und weder ernstgenommen noch für professionell gehalten vorkam, zu relativeren. Nach und nach…

Noch heute, einige Jahre später und mit Mitte 20, spüre ich sie manchmal aufflammen. Diese alte Unsicherheit. Meistens stehe ich dabei mit der Kamera in der Hand bei einem Shooting und plötzlich frage ich mich, was ich hier eigentlich tue und warum zum Teufel eigentlich all diese Leute um mich herum darauf warten, was ich zu sagen habe. Ich. Nicht die Lauteste, nicht die mit der imposantesten Erscheinung oder dem verrücktesten Kleidungsstil. Sie hören auf mich, die Kleinste, und oftmals sogar noch Jüngste (einzig die Models sind mir mittlerweile altersmäßig unterlegen), im Raum. Und sie folgen nicht nur meinen Anweisungen, sondern vertrauen auch auf meine Fähigkeiten - mein Gespür und meinen Geschmack. Noch immer erscheint es mir all das wie ein kleines Wunder.

Aber jedes Mal ein kleines bisschen weniger.

Weil ich verstanden habe, dass man manchmal selbst sein größter Feind ist. Und der oftmals wenig damit zu tun hat, wie man auf andere wirkt, aber viel damit wie man glaubt auf andere zu wirken.


1 Kommentar:

Sara Rose hat gesagt…

Ich werde auch jünger geschätzt, was mich tierisch freut. Aber ich wurde mal für 14 gehalten xD
XS trage ich auch, nur bei mir ist das Problem die Sachen sind für meinen Oberkörper manchmal zu kurz :D

Ich finde das nicht so krass :D Man kann ja auch normalen Käse mit Senf essen thihi
Haha ja den Proteinkäsekuchen gab es ohne Senf xD
Alles Liebe Sara <3

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