Samstag, 12. August 2017

Gastartikel: Die Erfahrung der Bloggerin Feli über ihre Magersucht

Essen und Gewicht ist bei uns Jugendliche immer ein Thema. Deshalb habe ich Bloggerin Feli aus Frankfurt am Main (Feli´s Blog: felinipralini.de) gefragt ob sie mir über ihre Erfahrung mit Magersucht einen Gastartikel schreiben kann. Ich hoffe, dass ich mit ihren ehrlichen Worten einigen helfen kann über das Thema intensiver nachzudenken. Ich kennen auch bei mir in der Schule einige die Essprobleme haben und deshalb freue ich mich sehr, dass für mich diesen Gastartikel geschrieben hat.

Gastartikel:
Livia hat mich darum gebeten, etwas von mir und meiner Essstörung zu erzählen, die glücklicherweise schon einige Jahre her ist. Vor ca 6 Jahren fing es alles an. Ich war 17 und mein ganzes Leben ganz „normal“ gewesen. Ein bisschen kräftiger als der Durchschnitt, jedoch dadurch auch um einiges muskulöser und robuster. Ich fand mich natürlich ziemlich fett.Dennoch hätte niemals jemand gedacht, dass ich jemals an einer Essstörung erkranken würde – ich am wenigsten. Ich habe immer gerne und gut gegessen und hatte deswegen ein bisschen mehr auf der Waage, ca 76 – 78 Kilo (Höchstgewicht) bei einer Größe von 1.73.

Ich wurde in der Schule einige Jahre wegen meines Gewichts und meinem „dicken Hintern“ ziemlich fertig gemacht, habe jedoch nicht die Schule gewechselt. Ich habe von meinem nächsten Umfeld oft Kommentare wie „Jetzt iss doch mal einen Teller weniger“ „Du hast leider nicht die guten Beine deiner Mutter geerbt, sondern Baumstammbeine“ „Sumoringen wäre was für dich“ abbekommen. Von einem auf den anderen Tag habe ich beschlossen, dass jetzt genug war, mit der „dicken Feli“. Ich fing an, mein sporadisches Laufen (1-2 Mal die Woche 4-5 km) auf „jeden Tag laufen“ umzustellen und steigerte kontinuierlich die Dauer – jedoch nicht aus Spaß am laufen, sondern um möglichst viele Kalorien zu verbrennen. Ich wollte es allen zeigen.


Ich lief jeden Tag mindestens eine Stunde. Anderer Sport (ich bin immer gerne geschwommen und geritten) „zählte“ nicht, da dort der Kalorienverbrauch geringer war. Es ging mir nicht um die Kilometer, es ging mir nicht um die Pace, es ging mir ums abnehmen. Zeitgleich schaute ich mir bei diversen Internetseiten Fotos von „Thinspiration“ „Skinny Girls“ an und maß mich an ihnen. Überall entdeckte ich Fett und ich weiß noch, wie ich fast jeden Morgen vor dem Spiegel heulte und mir in meine vermeintlichen Fettpolster kniff. Ich ließ anfangs nur abends die Kohlenhydrate weg , ernährte mich ansonsten recht „normal gesund“. Süßigkeiten und Fast Food gab es natürlich keins. Irgendwann war das nicht mehr genug, die Kohlenhydrate wurden zunächst mittags , dann morgens weggelassen, es wurden Kalorien gezählt und ich kam in den Wahn, mich so (vermeintlich) „gesund“ wie möglich ernähren zu wollen. Also ließ ich immer mehr Lebensmittel weg. In meinem Kopf gab es „gute“ und „schlechte“ Lebensmittel. Irgendwann ließ ich die Magermilch in meinen etlichen Kaffees mit und trank ihn schwarz. Ich aß keinen Joghurt mehr, sondern nur noch rohes Gemüse und Obst. Meine Standardmahlzeiten waren Salat ohne Dressing, Apfel, Tofu, Gemüse und Magerquark – oft mit Unmengen an Süßstoff.
Gesund war das, was ich da machte natürlich nicht. Allerdings effektiv. 
 
Ich verlor sehr viel Gewicht in sehr kurzer Zeit und hungerte mich von meinen 78 Kilo auf (schlussendlich) 47 Kilo herunter. Ich war nie in einer Klinik und schwebte auch nie in Lebensgefahr, dennoch ging es meinem Körper dreckig. Ich war jeden Tag ab 16.00 hundemüde und musste etliche Treffen mit Freunden absagen, weil ich schlafen musste. Ich hatte kaum Energie und Kraft für irgendetwas, außer für mein zwanghaftes Sport-, Ess- und Lernverhalten (ich machte in diesem Jahr Abitur). Alles stresste mich und nichts war genug. Meine Haare fielen büschelweise aus und meine Haut schuppte sich richtig. Ich bekam natürlich lange Zeit meine Periode nicht und entwickelte eine Hormonstörung. 

Bis heute ist es nicht sicher, ob ich einmal Kinder bekommen kann. Sehr drastisch und sehr persönlich, aber gerade in der „heutigen“ Zeit, wo noch mehr Jugendliche als je zuvor von Essstörungen betroffen sind, ist es meiner Meinung nach wichtig, diese negativen Seiten zu teilen. Essstörungen sind scheiße und man steht am Rande des Abgrunds.
Das Leben wird nicht plötzlich „perfekt“, nur weil man dünn ist und (vermeintlich) gut aussieht. Und es dauert wirklich lange, bis man wieder ein einigermaßen „gesundes“ Essverhalten sowie eine gute Beziehung zu seinem Körper entwickelt. Bitte nehmt euch daran kein Beispiel.

Kommentare:

Lara Münch hat gesagt…

Ganz wichtiges Thema. Finde ich sehr gut das auch mal anzusprechen!

Mila hat gesagt…

Da sieht man mal, wie sehr das Umfeld beeinflusst. Und ist es hier mal nur ein "nicht böse gemeinter" Kommentar. Es kann so viel auslösen.

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